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Hey, andere Mama, die ihr krankes Kind in die Schule geschickt hat: DAS geht an dich!


Ein Gastbeitrag von Sarah aus Chemnitz

„Mama, der Elias musste sich heute mitten im Unterricht übergeben!“ Liam erzählt mir das mit der gleichen ehrfürchtigen Anbetung, die man normalerweise beim Schauen eines Marathonlaufes in der Mittagshitze innehält. Ich bin sicher, es war sicherlich eine durchaus komische Situation, aber ich habe Mitleid mit dem armen, kleinen Kerl. Erbrechen macht nie Spaß, und vor einer Klasse voller Freunde noch weniger.

„Ja? Armer, kleiner Kerl! “

„Ja! Er musste so doll husten, dass er sich übergeben musste! Seine Schwester ist nämlich richtig schlimm mit Grippe krank, da hat er sich wahrscheinlich angesteckt!“

Mein Blut gefriert in meinen Adern und eine rote Wolke der Wut rollt meine Kehle empor. Ich schaffe es kaum zu sagen, dass ich hoffe, dass Elias sich bald besser fühlt, um dann zur normales Tagesordnung überzugehen…..Aber tief in mir weiß ich, wie sauer ich bin, denn in solchen Momenten zuckt mein linkes Auge immer ganz verdächtig……

Ein paar Stunden später weiß ich bereits, warum ich mich so aufgeregt habe, weil mein Instinkt nämlich mal wieder genau richtig war. Mein Kind fiebert elendig.

Insgesamt war Elias 11 Tage krank mit dieser fiesen Grippe. Mein Mann hat vier (unbezahlte) Arbeitstage kassiert. Ich habe meine Teenager seit über einer Woche nicht mehr gesehen, weil wir versucht haben, eine Quarantäne Station aufzubauen, so dass es nicht jeden erwischt. Glücklicherweise hat sich das gelohnt und sie haben sich nicht angesteckt. Ich selber jedoch schwitze wie ein Esel, habe die schlimmsten Gliederschmerzen, eine Müdigkeit die überirdisch ist und mich zerreißen meine „Ganzkörperhustenkrämpfen“. Ja, das ist richtig. Ich huste so krass, dass ich mich fast einpinkeln muss.

Und wir gehören damit noch zu den Glücklichen. Wir sind relativ fit und ansonsten gesund. Abgesehen von den körperlichen Auswirkungen und der unbezahlten Freistellung von der Arbeit, haben wir lediglich ein halbes Monatsgehalt für Erkältungsmedizin in der Apotheke gelassen. ABER: Wie ergeht es alten Menschen und Säuglingen?

Wir haben jedoch noch etwas Interessantes von unserem Hausarzt bekommen: Informationen. Wir alle wurden positiv auf die Grippe A getestet, und unser Arzt sagte uns, dass es in der letzten Woche über 800 Fälle gab. Diese Woche, schon über 500. Unser kleines Dorf hat nur etwa 1.900 Einwohner und 1.300 von ihnen hatten bereits diese Grippe.

Es waren zunächst Spekulationen, aber diese wurden später bestätigt: Anscheinend wollte ein Schüler nicht den Sportunterricht verpassen und infizierte das gesamte Team – und ihre Familien. Und dann gingen einige von ihnen zurück zur Schule und gaben es ihren Klassenkameraden weiter – und die ihren Familien. Und dann konnten einige von ihnen es sich nicht leisten, zu Hause zu bleiben, also gaben sie es ebenfalls munter weiter. Überall. Und dann dachten einige von ihnen sich, man müsse Sonntags auch dringend krank einen Flohmarktstand betreiben und jedem wurde die Hand geschüttelt. Und so weiter.

Ich weiß nicht, wie ich das jetzt noch klarer sagen soll, also lasst mich es wirklich ganz deutlich sagen: Wenn du krank bist, bleib zum Teufel nochmal, Zuhause! Mildernde Umstände verstehe ich völlig, aber Flohmärkte und Schule und Ballspiele sind keine Notfallbedürfnisse. ZU HAUSE BLEIBEN!

Wenn dein Kind krank ist und du eigentlich nicht bei ihm zu Hause bleiben kannst, dann verstehe ich das. Ich verstehe dich und ich war in deiner Situation. Aber wenn du nicht zu denjenigen gehören, die absolut keine andere Wahl haben, dann schaue dir dein krankes Kind an. Stelle dir jetzt ein Dutzend mehr kranke Kinder und ihre Familien vor, die genauso kämpfen wie ihr jetzt …..Stell dir vor, all diese kranken Kinder laufen durch deine Stadt…….

Wir reden hier nicht von einer rotzigen Nase. Wir reden von einer echten Grippe. Grippe kann bösen enden. Es ist unverantwortlich und gefährlich und du könntest das Leben anderer Menschen aufs Spiel setzen mit deiner Gleichgültigkeit. Du spielst wissentlich und vorsätzlich mit der Gesundheit und dem Leben von kleinen Babys genau wie mit dem Leben deiner eigenen Kinder.

So wie ich das sehe, ist dieses Problem weit verbreitet, und wir brauchen drei grundlegende Dinge, die dringend geändert werden müssen, damit wir besser damit umgehen können:

1. Wir müssen etwas gegen die drakonische Anwesenheitspolitik in der Schule tun.
Diese Schulpolitik ermutigt immer mehr Menschen, kranke Kinder in die Schule zu schicken. Es ist beschissen, wenn man sich selbst entscheiden muss, ob man ein möglicherweise ansteckendes Kind in die Schule schickt oder wie ein verantwortungsbewusster Mensch zu Hause bleibt oder ob man die Noten des Kindes ruiniert, wenn man ihnen einen oder zwei zusätzliche Tage zu Hause gönnt. Nicht jede Krankheit erfordert den Besuch eines Arztes, eine elterliche Entschuldigung muss ausreichen, um die Schule zu besänftigen.

2. Eltern müssen in der Lage sein, mit ihrem kranken Kind (oder wenn sie selbst krank sind) zu Hause zu bleiben, ohne sich Sorgen um den Arbeitsplatz machen zu müssen.
Wir brauchen einige grundlegende Standards der Lebensverbesserung im Beschäftigungssektor – einschließlich existenzsichernder Löhne und jeweils genügende Mengen an Krankentage. Und denk doch mal weiter, Politiker: Möchtest du, dass die Köchin, die dein Abendessen im Restaurant zubereitet hat, die Art von Angestellter ist, die heute Abend ihren grippalen Arsch zur Arbeit schleppte um dann alle Keime auf dein Essen zu Husten?

3. Wir müssen uns auch verantwortlich für andere Kinder fühlen
Steht nicht nur da und knurrt darüber, wie gut ihr euer eigenes Kind schützen könnt, während ihr das Baby einer anderen Mutter wegen eurer eigenen, selbstbezogenen Vernachlässigung bewusst infiziert. Für mein Kind bist du die Bedrohung gewesen, und ich werde das Leben meines Kindes verteidigen. Aber auch für dein Kind wünsche ich mir, dass es nicht so leiden muss, wie wir es getan haben.

Ich will nicht, dass deine Kinder krank werden genauso wenig möchte ich, dass mein Kind krank wird. Ich verlange von meinem Kind, dass es gut mit dir deinem Kind umgeht. Ich erwarte dasselbe im Gegenzug von euch. Ich denke nicht, dass das zu viel verlangt ist.

mutterwelt

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